Acht Personen sind im Gruppenchat. Sieben haben deine Nachricht gelesen. Niemand antwortet.
Eigentlich ist das alles.
Doch wenige Minuten später geht es in deinem Kopf längst um mehr als diese eine Nachricht. War sie unpassend? Zu direkt? Vielleicht haben die anderen kurz die Augen verdreht. Vielleicht reden zwei von ihnen privat darüber. Du öffnest den Chat erneut, liest deinen eigenen Satz mit fremden Augen und überlegst, ob ein lockeres Emoji die Sache retten könnte.
Du weißt gerade nur zwei Dinge: Du hast eine Nachricht geschickt. Und bisher hat niemand geantwortet.
Alles andere schreibt dein Kopf in die Lücke.
Wenn du Overthinking stoppen willst, musst du deshalb nicht jeden Gedanken widerlegen. Das wäre oft nur eine weitere Runde im selben Karussell. Hilfreicher ist ein anderer Ablauf: die Schleife erkennen, den inneren Alarm etwas senken, Fakten von Vermutungen trennen und den nächsten beeinflussbaren Schritt wählen.
Die kurze AntwortOverthinking lässt sich selten durch noch mehr Denken stoppen. Bemerke zuerst, dass dein Denken gerade keine neuen Informationen mehr liefert. Benenne die bekannten Fakten, reguliere deine körperliche Anspannung und entscheide: Kann ich jetzt etwas Sinnvolles tun? Falls nicht, richte deine Aufmerksamkeit bewusst auf eine konkrete Tätigkeit zurück.
Was ist Overthinking?
Overthinking bedeutet, dass du wiederholt über ein Problem, eine Entscheidung oder eine Situation nachdenkst, ohne einer Lösung näherzukommen. Die Gedanken drehen sich. Sie prüfen dieselben Details, entwerfen neue Szenarien und suchen nach einer Gewissheit, die gerade nicht verfügbar ist. Hinterher bist du meist angespannter, erschöpfter oder unsicherer als vorher.
Der Begriff selbst ist keine psychologische Diagnose. In der Forschung werden präzisere Begriffe verwendet. Rumination beschreibt häufig das gedankliche Wiederkäuen vergangener Ereignisse, eigener Fehler oder der eigenen negativen Stimmung. Worry, also Sorgen, richtet sich eher auf mögliche Gefahren in der Zukunft. Als Oberbegriff wird oft repetitives negatives Denken verwendet.
Die Inhalte unterscheiden sich. Der Ablauf ähnelt sich: Die Gedanken wiederholen sich, fühlen sich schwer kontrollierbar an und führen kaum zu einer konkreten Handlung.
Susan Nolen-Hoeksema, Blair Wisco und Sonja Lyubomirsky haben die Forschung zur Rumination in einer viel zitierten Übersichtsarbeit gebündelt. Ihr Befund war nicht, dass Nachdenken grundsätzlich schadet. Problematisch wird die passive, wiederholte Beschäftigung mit negativen Inhalten, weil sie negative Stimmung verlängern, das Lösen von Problemen erschweren und Handeln blockieren kann.
Nachdenken oder Overthinking: Woran erkennst du den Unterschied?
Die Länge allein entscheidet nicht. Du kannst 40 Minuten konzentriert über eine schwierige berufliche Entscheidung nachdenken und danach klarer sein. Du kannst aber auch drei Minuten lang einen Blick im Meeting analysieren und bereits in einer Schleife stecken.
Entscheidend ist, was das Denken mit dir macht und wohin es führt.
| Hilfreiches Nachdenken | Overthinking |
|---|---|
| Liefert neue Informationen | Wiederholt bekannte Informationen |
| Bearbeitet eine konkrete Frage | Springt zwischen vielen „Was, wenn“-Fragen |
| Ist zeitlich begrenzbar | Zieht die Aufmerksamkeit immer wieder zurück |
| Führt zu einer Entscheidung, Akzeptanz oder Handlung | Erzeugt mehr Zweifel und verlangt weitere Absicherung |
| Hinterlässt mehr Klarheit | Hinterlässt mehr Anspannung |
Ein brauchbarer Test besteht aus zwei Fragen:
Was weiß ich jetzt, das ich vor zehn Minuten noch nicht wusste?
Welcher konkrete nächste Schritt ergibt sich daraus?
Wenn du auf beide Fragen keine Antwort findest, denkst du wahrscheinlich nicht mehr an einer Lösung. Du kreist um das Gefühl, noch keine Sicherheit zu haben.
Typische Anzeichen für eine Grübelschleife
Overthinking wirkt nicht bei allen gleich. Einige Menschen spielen Gespräche rückwärts ab. Andere vergleichen fünf nahezu identische Optionen, recherchieren immer weiter oder bereiten sich innerlich auf Katastrophen vor, die vielleicht nie eintreten.
Häufig erkennst du eine Schleife an diesen Punkten:
- Du stellst dir dieselbe Frage in leicht veränderter Form.
- Du kontrollierst Chats, E-Mails oder Reaktionen, obwohl keine neue Information vorliegt.
- Du suchst mehrfach Bestätigung und bist nur kurz beruhigt.
- Du vertagst eine Entscheidung, bis du dich vollkommen sicher fühlst.
- Deine Aufgabe liegt vor dir, aber ein Teil deiner Aufmerksamkeit hängt an einem Gespräch, Fehler oder möglichen Problem.
- Dein Körper ist müde, während dein Kopf weiter Lösungen produziert.
- Du schläfst schlechter oder wachst auf und steigst sofort wieder in dieselbe Geschichte ein.
Ein einzelner Abend macht dich noch nicht zum „Overthinker“. Das Wort klingt ohnehin schnell wie ein festes Persönlichkeitsmerkmal. Grübeln kann zu einem eingeübten Denkprozess werden. Und Prozesse lassen sich früher erkennen, unterbrechen und verändern.
Warum hört Overthinking nicht einfach auf?
Weil es sich zunächst vernünftig anfühlt.
Dein Kopf verspricht dir: Wenn du die Situation noch einmal prüfst, findest du vielleicht das fehlende Detail. Wenn du jede Reaktion vorhersiehst, kannst du einen Fehler vermeiden. Wenn du lange genug nachdenkst, kommt irgendwann die hundertprozentig richtige Entscheidung.
Kurz entsteht ein Gefühl von Kontrolle. Genau das hält die Schleife am Laufen. Das Ergebnis fehlt zwar, aber die nächste gedankliche Runde könnte es angeblich bringen.
Dazu kommt die Stimmung. Wer angespannt, enttäuscht oder unsicher ist, grübelt leichter. Und wer grübelt, fühlt sich häufig noch schlechter. Negative Stimmung und Rumination können sich gegenseitig verstärken. Die Forschung von Nolen-Hoeksema und ihrem Team beschreibt diesen Kreislauf ausführlich.
Auch der direkte Kampf gegen Gedanken kann nach hinten losgehen. In einem klassischen Experiment von Daniel Wegner und Kollegen sollten Versuchspersonen ausdrücklich nicht an einen weißen Bären denken. Der Versuch, diesen Gedanken zu unterdrücken, führte später zu einem verstärkten Wiederauftauchen. Das Experiment beweist nicht, dass jeder unerwünschte Gedanke immer stärker zurückkommt. Es zeigt aber ein wichtiges Prinzip: Ständiges inneres Kontrollieren, ob ein Gedanke endlich weg ist, hält ihn oft erst recht im Blick. Die Originalarbeit zum Gedankenunterdrückungs-Effekt erschien 1987.
Das Ziel lautet deshalb nicht: „Ich darf daran nicht mehr denken.“
Nützlicher ist: „Da ist der Gedanke wieder. Ich muss ihn jetzt nicht weiterbearbeiten.“
Der Gruppenchat: Was du weißt und was dein Kopf ergänzt
Zurück zur unbeantworteten Nachricht. Der Fakten-Lücken-Check sieht so aus:
| Beobachtbare Fakten | Geschichte deines Kopfes |
|---|---|
| Du hast eine Nachricht geschickt. | Die Nachricht war peinlich. |
| Sieben Personen haben sie gelesen. | Alle fanden sie unpassend. |
| Bisher hat niemand geantwortet. | Zwei Personen reden privat über dich. |
| Es gibt noch keine weitere Information. | Du solltest schnell etwas Lockeres hinterherschicken. |
Die rechte Seite kann wahr sein. Sie kann aber genauso gut falsch sein. Vielleicht ist gerade niemand zuständig. Vielleicht wollten mehrere später antworten. Vielleicht wirkt die Nachricht völlig normal und bekommt deshalb keine besondere Reaktion.
Du musst dir keine schönere Geschichte erzählen. „Alle mögen mich und sind nur wahnsinnig beschäftigt“ wäre ebenfalls eine Vermutung. Bleib bei dem, was du tatsächlich weißt.
Dieser kleine Unterschied nimmt dem Gedanken nicht sofort jedes unangenehme Gefühl. Er verhindert aber, dass du eine Vermutung wie eine bereits bewiesene soziale Ablehnung behandelst.
Solche unscheinbaren Alltagssituationen zeige ich regelmäßig auf Instagram unter @fab.coacht. Denn mentale Fitness entscheidet sich selten in einem perfekten, ruhigen Moment. Sie zeigt sich eher an einem Dienstag um 14:37 Uhr, während der Chat offen ist und deine eigentliche Aufgabe seit zwölf Minuten wartet.
Overthinking stoppen: 7 Schritte, die im Alltag funktionieren
Du brauchst nicht jedes Mal alle sieben Schritte. Im akuten Moment reichen häufig die ersten vier. Wenn dieselben Schleifen regelmäßig zurückkehren, werden die weiteren Schritte wichtiger.
1. Benenne den Prozess, statt sofort den Inhalt zu lösen
Sag innerlich: „Ich grüble gerade“ oder „Mein Kopf sucht gerade nach Sicherheit.“
Das klingt unspektakulär. Ist es auch. Doch du wechselst damit die Ebene. Vorher warst du mitten in der Frage: „Warum antwortet niemand?“ Jetzt bemerkst du zusätzlich, was dein Denken gerade tut.
Du musst noch nichts verändern. Erst erkennen.
Ich habe keine neue Information, aber mein Kopf verlangt eine neue Runde.
2. Nutze STOPP als Unterbrechung, nicht als ganze Lösung
Ein klares „STOPP!“ kann sehr hilfreich sein. Ich nutze es selbst häufig und vermittle es auch in meiner Anti-Ablenk-Formel. Das Signal unterbricht den Autopiloten für einen Moment. Es schafft Abstand zwischen dem Gedanken und deiner nächsten Reaktion.
Dieser kurze Zwischenraum ist der eigentliche Wert. Du kannst wahrnehmen: „Da ist gerade Unsicherheit.“ Oder: „Die ausbleibende Antwort löst Unruhe in mir aus.“
Das Stoppsignal allein reguliert die unangenehme Emotion jedoch noch nicht. Wenn du danach sofort wieder diskutierst, kontrollierst oder dich zwingst, nicht zu denken, beginnt die Schleife erneut. Nutze die Unterbrechung deshalb für den nächsten Schritt: die Emotion und die körperliche Anspannung regulieren.
STOPP. Ich muss den Gedanken jetzt nicht lösen. Ich kümmere mich zuerst um die Unruhe, die er auslöst.
3. Senke zuerst die körperliche Lautstärke
Ein angespannter Körper macht nüchternes Sortieren schwerer. Bevor du mit Gegenargumenten beginnst, atme für etwa 60 Sekunden ruhig durch die Nase ein und wieder aus. Fünf Sekunden ein, fünf Sekunden aus. Sechs Atemzüge reichen für den Anfang.
Versuche nicht, dich sofort vollkommen ruhig zu fühlen. Du senkst nur die Lautstärke um eine Stufe. Schultern lösen. Füße am Boden spüren. Blick vom Display nehmen.
Manchmal ist das schon genug, um zwischen Reiz und Reaktion wieder ein paar Zentimeter Platz zu bekommen.
4. Trenne Fakten von der Geschichte
Nimm Papier oder die Notizfunktion und ziehe zwei Spalten. Links stehen ausschließlich beobachtbare Fakten. Rechts kommen Interpretationen, Befürchtungen und Gedankenlesen hinein.
Bei einer Präsentation könnte links stehen: „Mein Chef hat nach der zweiten Folie auf die Uhr gesehen.“ Rechts steht: „Er fand meinen Vortrag langweilig und hält mich für schlecht vorbereitet.“
Wichtig: Du sollst die rechte Seite nicht zwanghaft positiv umschreiben. Markiere sie lediglich als unbestätigte Deutung. Ein Gedanke darf plausibel klingen und trotzdem kein Fakt sein.
5. Nutze den Kontrollfilter
Kann ich in den nächsten zehn Minuten etwas Sinnvolles beeinflussen?
Wenn ja, lege den kleinstmöglichen Schritt fest. Eine Rückfrage formulieren. Drei Stichpunkte notieren. Einen Termin vereinbaren. Die Bewerbung abschicken.
Wenn nein, braucht das Thema gerade keine weitere Denkzeit. Bei der Chatnachricht könntest du eine Regel setzen: Ich prüfe den Chat nach dem nächsten Arbeitsblock wieder, nicht alle zwei Minuten.
„Nicht kontrollierbar“ heißt nicht „unwichtig“. Es heißt nur, dass weiteres Denken im Moment keine neue Wirkung erzeugt.
6. Ersetze abstrakte Warum-Fragen durch konkrete Was-Fragen
„Warum bin ich immer so unsicher?“ ist groß, wertend und kaum abschließbar. Die Frage zieht schnell weitere Erinnerungen und Selbsturteile an.
Konkreter wird es mit diesen Fragen:
- Was genau hat die Schleife ausgelöst?
- Was brauche ich, um die nächsten zehn Minuten gut zu nutzen?
- Was wäre ein kleiner Schritt, selbst wenn die Unsicherheit bleibt?
- Wann beschäftige ich mich bewusst wieder mit dem Thema?
Ruminationsfokussierte kognitive Verhaltenstherapie arbeitet unter anderem daran, abstraktes, bewertendes Grübeln in konkretere und handlungsnähere Verarbeitungsweisen zu übersetzen. In einer randomisierten Studie mit Menschen, die trotz Behandlung noch depressive Symptome hatten, zeigte dieser Ansatz einen zusätzlichen Nutzen gegenüber der üblichen Behandlung. Das ist kein Beweis, dass vier Fragen jede Alltagsschleife lösen. Es zeigt jedoch, dass Rumination kein unveränderlicher Charakterzug ist. Hier findest du die Studie von Watkins und Kollegen.
7. Kehre über eine sichtbare Handlung zurück
„Ich konzentriere mich jetzt wieder“ ist zu vage. Gib deiner Aufmerksamkeit ein klares Ziel, das du sehen oder anfassen kannst.
Öffne das Dokument. Schreibe die nächste Überschrift. Räume genau fünf Teile weg. Zieh die Laufschuhe an. Stelle einen Timer auf zehn Minuten und lege das Smartphone außer Reichweite.
Dein Kopf darf währenddessen noch einmal zum Gruppenchat springen. Das ist kein Scheitern. Aufmerksamkeit funktioniert eher wie ein Tennisspiel als wie ein Lichtschalter. Du gewinnst nicht dadurch, dass kein Ball mehr auf die falsche Seite fliegt. Du gewinnst, indem du dich neu ausrichtest und den nächsten Ball spielst.
Die 90-Sekunden-Übung gegen akutes Overthinking
Wenn du gerade wenig Zeit hast, kürze den Ablauf auf fünf Sätze:
- „Ich bemerke, dass ich grüble.“
- „Der bekannte Fakt ist: …“
- „Mein Kopf ergänzt gerade: …“
- „Beeinflussen kann ich jetzt: …“
- „Meine nächste sichtbare Handlung ist: …“
Atme anschließend sechs Atemzüge im Rhythmus fünf Sekunden ein, fünf Sekunden aus. Dann beginne mit der Handlung, auch wenn die Unsicherheit noch nicht vollständig verschwunden ist.
Das ist mentale Fitness: nicht jeden Gedanken loswerden, sondern trotz eines lauten Gedankens wieder wählen können.
Was beim Grübeln oft nicht hilft
Noch mehr Beweise sammeln
Du liest die Nachricht ein sechstes Mal, fragst drei Menschen nach ihrer Einschätzung oder suchst den gesamten Abend nach der perfekten Entscheidungsmethode. Recherche kann sinnvoll sein. Ab einem gewissen Punkt dient sie jedoch nur noch dazu, das unangenehme Gefühl von Unsicherheit für weitere fünf Minuten zu beruhigen.
Setze vorab eine Grenze: Welche Information fehlt wirklich? Wie viele Quellen reichen? Bis wann entscheide ich?
Erzwungen positiv denken
Aus „Alle fanden meine Nachricht peinlich“ wird dann „Alle lieben meine Nachricht“. Beides ist erfunden. Ein Realitätscheck muss nicht rosarot sein. Nüchtern reicht.
Sofortige Rückversicherung
Eine Nachfrage kann Klarheit schaffen. Wenn du bei jeder Unsicherheit sofort andere Menschen zur Beruhigung brauchst, lernt dein Kopf allerdings: Dieses Gefühl halte ich allein nicht aus. Warte zunächst kurz, sortiere Fakten und entscheide dann, ob eine Rückfrage sachlich nötig ist.
Auf völlige Sicherheit warten
Viele Entscheidungen liefern ihre wichtigsten Informationen erst nach dem ersten Schritt. Du kannst eine Bewerbung nicht vollständig durchdenken, bevor du mit dem Unternehmen gesprochen hast. Du kannst nicht wissen, wie ein Angebot ankommt, bevor es draußen ist.
Sicherheit entsteht häufig beim Gehen. Nicht vorher.
Overthinking nachts stoppen
Nachts fehlen Ablenkung und neue Informationen. Gleichzeitig ist deine mentale Energie niedriger. Ein Problem, das um 14 Uhr lösbar wirkt, bekommt um 2:13 Uhr plötzlich die Ausmaße von Mordor.
Versuche dann nicht, dein ganzes Leben im Bett zu klären. Schreib den Kern des Gedankens in einen Satz. Notiere daneben, wann du dich am nächsten Tag damit beschäftigst und welcher erste Schritt möglich wäre. Dein Kopf bekommt damit keine Lösung, aber einen verlässlichen Ablageort.
Anschließend wechselst du vom Inhalt zum Körper. Ruhige Atmung. Kontakt zur Matratze spüren. Nacheinander fünf Dinge wahrnehmen, die du körperlich fühlst. Wenn der Gedanke wiederkommt, antworte knapp: „Ist notiert. Morgen um 10 Uhr.“
Ein festes Grübelfenster kann ebenfalls helfen. Plane am späten Nachmittag 15 Minuten ein, in denen du offene Sorgen aufschreibst und prüfst. Nicht direkt vor dem Schlafen. Außerhalb dieses Fensters sammelst du den Gedanken nur und verschiebst die Bearbeitung.
Wenn du über mehrere Wochen häufig wachliegst, tagsüber erschöpft bist oder Angst vor dem Zubettgehen entwickelst, lass die Schlafprobleme ärztlich oder psychotherapeutisch abklären.
Kann man Overthinking dauerhaft verlernen?
Du kannst nicht verhindern, dass dein Gehirn automatisch Gedanken, Erinnerungen und Warnungen produziert. Das wäre auch kein sinnvolles Ziel.
Trainierbar ist etwas anderes: Wie schnell bemerkst du eine Schleife? Wie lange steigst du ein? Wie oft kontrollierst oder vermeidest du? Und wie zügig findest du zu einer hilfreichen Handlung zurück?
Fortschritt kann deshalb so aussehen:
- Du grübelst nach einem Gespräch noch 15 statt 90 Minuten.
- Du prüfst den Chat einmal statt zwölfmal.
- Du triffst eine ausreichend gute Entscheidung, obwohl ein Restzweifel bleibt.
- Du bemerkst früher, dass dein Denken gerade nur bekannte Sorgen neu anordnet.
- Du brauchst nach einer stressigen Situation weniger Zeit, um wieder bei deiner Aufgabe anzukommen.
Das Ziel ist nicht Gedankenstille. Es ist kürzere Gefangenschaft.
3-WOCHEN-SYSTEM
Overthinking früher erkennen. Schneller wieder handeln.
In Overthinking Exit trainierst du Schritt für Schritt, wie du Grübelschleifen gezielt unterbrichst, ohne darauf zu warten, dass sich jeder Zweifel vorher auflöst.
Overthinking Exit ansehenWann ist professionelle Hilfe sinnvoll?
Overthinking ist keine eigene Diagnose. Starkes und anhaltendes Grübeln kann jedoch bei Depressionen, Angststörungen, Zwangssymptomen, Traumafolgen oder anderen psychischen Belastungen auftreten.
Hol dir Unterstützung, wenn die Gedankenschleifen über Wochen viel Zeit einnehmen, deinen Schlaf, deine Arbeit oder Beziehungen deutlich beeinträchtigen, starke Angst auslösen oder du dich zunehmend zurückziehst. Das gilt auch, wenn Selbsthilfeübungen den Alltag kaum noch entlasten.
Eine psychotherapeutische Sprechstunde kannst du in Deutschland über den Patientenservice 116117 vereinbaren. In einer akuten seelischen Krise erreichst du die TelefonSeelsorge rund um die Uhr und kostenfrei unter 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116 123. Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung ruf bitte den Notruf 112.
Häufige Fragen zum Thema Overthinking stoppen
Wie kann ich Overthinking sofort stoppen?
Du kannst einen Gedanken nicht zuverlässig auf Knopfdruck löschen. Du kannst aber die weitere Schleife unterbrechen: Benenne den Prozess, atme eine Minute ruhig, trenne Fakten von Vermutungen und wähle eine konkrete Handlung. Ziel ist nicht sofortige Ruhe. Ziel ist, dem Gedanken nicht automatisch weitere zehn Minuten Aufmerksamkeit zu geben.
Was ist die beste Übung gegen Overthinking?
Für viele Alltagssituationen ist der Fakten-Lücken-Check ein guter Anfang. Schreib auf, was du sicher weißt und was dein Kopf ergänzt. Prüfe danach, ob du gerade etwas beeinflussen kannst. Falls ja, handle klein. Falls nein, lege fest, wann du das Thema erneut prüfst, und kehre zu einer sichtbaren Aufgabe zurück.
Ist Overthinking eine psychische Krankheit?
Nein. Overthinking ist ein alltagssprachlicher Begriff und keine eigenständige Diagnose. Häufiges, schwer kontrollierbares Grübeln kann allerdings mit psychischen Erkrankungen zusammenhängen oder die Belastung verstärken. Wenn dein Alltag, Schlaf oder Wohlbefinden deutlich leidet, ist eine fachliche Abklärung sinnvoll.
Was ist der Unterschied zwischen Grübeln und Sorgen?
Grübeln oder Rumination richtet sich häufig auf Vergangenes, eigene Fehler oder die aktuelle Stimmung. Sorgen richten sich eher auf mögliche negative Ereignisse in der Zukunft. Beide Formen können sich wiederholen, schwer steuerbar wirken und Handeln blockieren. Im Alltag treten sie oft gemeinsam auf.
Warum overthinke ich jede Kleinigkeit?
Oft versucht dein Kopf, Unsicherheit zu reduzieren, Ablehnung zu vermeiden oder eine perfekte Entscheidung zu treffen. Stress, Müdigkeit, Perfektionismus und belastende Erfahrungen können diesen Prozess verstärken. Das bedeutet nicht, dass mit dir etwas falsch ist. Entscheidend ist, welche Reaktion du auf den ersten automatischen Gedanken trainierst.
Was hilft gegen Overthinking beim Einschlafen?
Notiere den Gedanken, einen möglichen nächsten Schritt und einen Zeitpunkt für die Bearbeitung am Folgetag. Richte deine Aufmerksamkeit danach auf Atmung und Körperwahrnehmung. Wiederkehrende oder starke Schlafprobleme sollten ärztlich oder psychotherapeutisch abgeklärt werden.
Kann Overthinking verschwinden?
Automatische Gedanken werden nicht vollständig verschwinden. Du kannst aber lernen, Schleifen früher zu erkennen, seltener in sie einzusteigen und schneller zum Handeln zurückzukehren. Realistische Fortschritte zeigen sich in kürzerer Grübeldauer, weniger Kontrollverhalten und mehr Handlungsfähigkeit trotz Unsicherheit.
Psychologische Quellen
- Nolen-Hoeksema, S., Wisco, B. E. & Lyubomirsky, S. (2008). Rethinking Rumination. Perspectives on Psychological Science, 3(5), 400–424.
- Wegner, D. M., Schneider, D. J., Carter, S. R. & White, T. L. (1987). Paradoxical Effects of Thought Suppression. Journal of Personality and Social Psychology, 53(1), 5–13.
- Watkins, E. R. et al. (2011). Rumination-focused cognitive-behavioural therapy for residual depression. British Journal of Psychiatry, 199(4), 317–322.
